Echte Freundschaft!
Dieser Artikel wurde am 12. Juli 2010 erstellt von Frank Möbus
Es gibt verschiedene Methoden, den Unterschied zwischen einem Bekannten und einem Freund auszumachen. Nehmen wir mal ein Beispiel: Du bleibst mit deinem Auto mitten in der Nacht fern der Heimat liegen und stellst mit Entsetzen fest, dass du weder Bargeld noch Kreditkarte bei dir hast. Beim Pannendienst hörst du nur eine Stimme vom Band, die dich bittet, nach 7 Uhr morgens wieder anzurufen. Nun schaust du das Telefonbuch deines Handys durch und rufst ein paar Leute an, die halbwegs in der Nähe wohnen.
Der Bekannte wimmelt dich freundlich ab.
Der Freund sagt ansonsten ziemlich kommentarlos: »In zehn Minuten fahre ich los!«
Als wir noch sehr viel jünger waren, gab es eine Methode, die wohl die meisten von uns aus eigener Erfahrung kennen. Wenn man sich zusammen mit einem Bekannten in dasselbe Mädchen verguckt hatte, gab es einen heftigen Balzkrieg. Passierte einem so etwas zusammen mit einem Freund, wurde bei alkoholhaltigen Kaltgetränken abgeklärt, wer das Recht auf den ersten Versuch hatte.
Mit großen Forellen verhält es sich nun verblüffender Weise sehr ähnlich wie mit schönen Frauen – freilich braucht man keinen Alkohol.
Haben zwei miteinander bekannte Fliegenfischer gleichzeitig einen großen Fisch erspäht, geht es darum, wer zuerst die Fliege auf dem Wasser hat.
Haben zwei miteinander befreundete Fliegenfischer gleichzeitig einen großen Fisch erspäht, hört man Gespräche wie:
„Och, guck mal! Willst du?“
„Nein, mach du! Ich hatte vorhin schon eine Gute.“
„Nee, nee – hol’ du sie dir! Ich bin doch öfter hier als du!“
„Quatsch. Du hast sie zuerst gesehen.“
„Nein, du!“
Und so weiter. Schließlich einigt man sich, und dann schaut der eine dem anderen zu.
Und wieder ist’s so wie damals mit den Mädchen … Mal klappt es, mal nicht. Mal schafft es der Zweite, nachdem Nr. 1 aufgegeben hat. Und mal – gar nicht so selten – wird allen Beiden eine Nase gedreht.
Solch eine Freundschaft pflege ich jedenfalls mit Ralf, und ich weiß eines ganz genau: Wenn er mich – oder ich ihn – wegen besagter Autopanne anrufen würde, dann wäre die Banane geschält. Wenn ich jemand beim Fischen vertrauen kann, dann kann ich’s immer (da wir beide glücklich verheiratet sind, kommt der Test Nr. 2 nicht in Betracht).
Aber in diesem Jahr habe ich noch eine weitere Variante des Themas kennengelernt.
Am hier besagten Wochenende war ich mit Ralf an der Wiesent, und außerdem hatte er seinen Schweizer Freund Simon eingeladen, den ich bislang noch nicht kannte.
Ralfs und meine Wurfkünste verhalten sich dabei, das wurde rasch klar, zu denjenigen Simons wie zwei Vuvuzelas zu einer Querflöte. Versteht mich nicht falsch – Ralf und ich können durchaus auch auf größere Distanz präzise servieren. Aber Simon ist ein eleganter Filigrantechniker, wir gehören eher zur gemäßigten Dreschflegelfraktion.
Außerdem muss man wissen, dass die Wiesent ein Gewässer ist, das einen hohen Tribut an Maifliegen fordert. Denn die starken Bachforellen dort nehmen die Fliege, wenn sie denn beißen, derart heftig, dass die Dinger nach zwei, drei Bissen in Fetzen hängen. Diese Bullterriertrutten bauen eine trockene Danica sehr schnell zu einer undefinierbaren Nassfliege um. Außerdem steht das Gras auf den Wiesen sehr hoch, und dort wächst auch das Gemeine Fliegenfänger-Kraut, das sich gerne mal das Vorfach schnappt, wenn man eben einen Doppelzug abfeuern will …
Am Freitag jedenfalls hatte Simon einen rabenschwarzen Tag erwischt. Wir fischten meist sehr dicht nebeneinander; Ralf und mir gingen jeweils gut ein Dutzend zumeist großer bis sehr großer Bachforellen auf den Leim.

Simon fing erst ganz am Ende des Tages seinen einzigen Fisch, und der war winzig. Unseren milden Spott ertrug er stoisch, und seiner guten Laune tat das keinen Abbruch.
Am Samstag ging’s fast genauso weiter. Die Forellen bissen an diesem Tag allerdings deutlich selektiver als am Vortag, und es war schwierig, das richtige Muster zu finden. Unsere Mücken waren einfach nicht groß genug, und es war wirklich Arbeit, ein paar Fische zu fangen.
Ralf und ich hatten dennoch bald jeweils den einen oder anderen guten Fisch auf die Schuppen gelegt – Simon klebte wieder das Pech an den Fingern, obwohl er weltmeisterlich präsentierte und auch nicht den kleinsten Fehler machte. Aber solche Tage kennt ja jeder von uns.
Eins ums andere Mal wechselte er die Fliege, und endlich war das richtige Muster gefunden. Eine schöne Bachforelle, die er schon lange beharkt hatte (ich hatte ihr vorher auch schon ein paar ausgesuchte Fliegen angeboten), nahm die künstliche Danica beim ersten Wurf.
Aber nach kurzem, heftigen Drill war sie verloren.
Dennoch freute sich Simon wie ein Schneekönig. Ihm standen schließlich noch drei, vier Stunden und der Abendsprung bevor; ich hingegen hatte nur noch ein halbes Stündchen Zeit, weil ich noch 350 Kilometer Autobahn zu fahren hatte.
Ich plauderte kurz mit Simon über den Abgang der Forelle.
Dann sagte er: “Na, wenigstens habe ich jetzt die richtige Mücke. Die hat sie bedenkenlos genommen! Davon habe ich noch zwei Stück. Willst Du eine haben?”
Das muss man sich mal vorstellen! Da will einer vor dem Abendsprung seine vorletzte Fliege herschenken – an einen, der nur noch ein paar Würfe vor sich und ohnehin schon gut gefangen hat! Und das nur, um seine Freude zu teilen!
Erst Stunden später viel mir auf, was das für eine großartige Geste war, und ich bin heilfroh, dass ich abgelehnt hatte.
Kurz vor Mitternacht war ich dann daheim, und wechselte SMS mit Ralf. Der schrieb: “Sitzen beim Bier. Noch gut gefangen. 43er von Simon.”
Diese 43er hat mich von all den vielen Fischen dieser Tage am meisten gefreut. Simon kann mich (wie Ralf) jederzeit anrufen, wenn er mit dem Auto liegen bleibt.






Lieber Frank,
vielen herzlichen Dank für Deinen ersten Bericht hier im Blog.
Deine Berufung, die deutsche Sprache und Literatur, hast Du uns hier eindrucksvoll bewiesen. Es ist mir eine große Freude, so ein sprachliches Feuerwerk hier abbilden zu könnne.
Die Leser dieses Blog freuen sich auf Fortsetzung – ich natürlich auch, ich sag nur im Herbst die Äschen in der ……, aber das gibt dann sicherlich eine neue Geschichte!
LG und TL
Dein Ralf
Hallo Frank, hallo Ralf!
Einen schönen und informativen Blog habt ihr hier. Verfolge schon seit längerem die interessanten Beiträge und kann der Pointe des lezten nur zustimmen! Schön wenn man seine Leidenschaft mit Freunden teilen kann.
Macht weiter so.
Viele Grüße
Alex
(http://flybei.wordpress.com)
Einen schönen und informativen Blog habt ihr hier. Verfolge schon seit längerem die interessanten Beiträge und kann der Pointe des lezten nur zustimmen! Schön wenn man seine Leidenschaft mit Freunden teilen kann.
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